Ein paar Runden ohne Sattel können den Sitz schulen, die Kommunikation verfeinern und die Verbindung zum Pferd stärken. Gleichzeitig wirkt das Reitergewicht dabei auf eine kleinere Fläche, weshalb Balance, Pferderücken und Trainingsdauer eine größere Rolle spielen als viele zunächst vermuten. Ich zeige, wann diese Arbeit sinnvoll ist, wie der Einstieg gelingt und woran du erkennst, dass dein Pferd eine Pause oder fachliche Unterstützung braucht.
Die wichtigsten Punkte für einen sicheren Einstieg
- Ruhiger Schritt und eine sichere Umgebung sind die beste Ausgangsbasis.
- Ein ausbalancierter Sitz schützt den Pferderücken besser als Festhalten mit den Knien.
- Ein Reitpad verteilt den Druck nicht automatisch wie ein gut passender Sattel.
- Kurze Einheiten von 10 bis 15 Minuten reichen am Anfang völlig aus.
- Schweifschlagen, Wegdrücken des Rückens oder Taktfehler können auf Unwohlsein hindeuten.
Was sich beim Reiten ohne Sattel wirklich verändert
Ohne Sattel fehlt die tragende Konstruktion, die das Gewicht des Reiters normalerweise über eine größere Fläche verteilt. Das verbessert zwar das direkte Körpergefühl, führt aber auch dazu, dass Sitzknochen und Beckenbewegung unmittelbarer auf den Rücken einwirken.
In einer biomechanischen Untersuchung mit sieben Pferden zeigten sich beim Reiten ohne Sattel höhere lokale Druckspitzen als unter einem gut sitzenden Sattel. Das bedeutet nicht, dass jede kurze Einheit schädlich ist. Es bedeutet aber, dass ein ruhiger, unabhängiger Sitz wichtiger ist als die bloße Tatsache, überhaupt ohne Sattel zu reiten.
Viele Reiter empfinden diese Form als besonders verbindend. Ich sehe darin vor allem eine gute Übung für Körperwahrnehmung und Balance, aber keinen Ersatz für korrekt angepasstes Sattelzeug. Ein schlecht sitzender Sattel kann Beschwerden verursachen, ein sattelloser Sitz nimmt dem Pferd die Druckverteilung jedoch ebenfalls weitgehend ab.
Reitpad oder ganz ohne Unterlage
Ein Reitpad schützt die Haut vor Reibung und kann den Sitz etwas angenehmer machen. Eine dicke Polsterung allein sorgt jedoch nicht automatisch für eine bessere Druckverteilung, weil ihr die feste Konstruktion eines Sattelbaums fehlt.
| Variante | Stärke | Worauf ich besonders achte |
|---|---|---|
| Ganz ohne Unterlage | Sehr direktes Körpergefühl | Kurze Dauer, ruhiger Schritt und ein gut bemuskelter Rücken |
| Reitpad ohne Steigbügel | Mehr Komfort und weniger Reibung | Rutschfestigkeit, passende Länge und keine Falten unter dem Pad |
| Gut passender Sattel | Beste Lastverteilung bei korrektem Sitz | Regelmäßige Kontrolle der Passform und freie Wirbelsäule |
Von Pads mit ungünstig angebrachten Steigbügeln würde ich besonders bei längeren Einheiten abraten. Der Druck kann dadurch stärker auf einzelne Bereiche konzentriert werden. Wer eine solche Lösung nutzen möchte, sollte sie von einer erfahrenen Fachperson beurteilen lassen.
Für welches Pferd und welchen Reiter es passt
Geeignet ist diese Arbeit vor allem für ein ruhiges, gesundes und an Menschen gewöhntes Pferd. Das Tier sollte sich sicher führen, an Aufsteigen und Gewichtsverlagerungen gewöhnt sein und im Schritt zuverlässig auf Stimme und Hilfen reagieren.
Ein sehr schmaler Rücken, ausgeprägter Widerrist, fehlende Rückenmuskulatur oder bekannte Beschwerden sprechen eher gegen das Reiten ohne Sattel. Auch bei einem Pferd, das gerade aus einer Pause kommt, Gewicht verliert oder sich im Rücken fest anfühlt, würde ich zunächst Bodenarbeit, Muskelaufbau und gegebenenfalls eine tierärztliche Untersuchung vorziehen.
Der Reiter muss nicht perfekt sein
Anfänger dürfen diese Erfahrung machen, sollten aber nicht allein improvisieren. Entscheidend ist nicht, besonders lange sitzen zu können, sondern nicht am Zügel, an der Mähne oder mit den Knien zu hängen. Ein Reitlehrer am Boden kann viel früher erkennen, ob der Reiter schief sitzt oder das Pferd unbewusst aus dem Gleichgewicht bringt.
Auch das Körpergewicht ist nur ein Faktor unter mehreren. Ein leichter, aber unruhiger Reiter kann für den Rücken belastender sein als ein schwererer Reiter mit guter Balance. Entscheidend sind Gewichtsverteilung, Bewegungsqualität, Dauer und Trainingszustand von Pferd und Mensch.
So baue ich die ersten Einheiten auf
Ich beginne nicht mit dem Aufsteigen, sondern mit einem kurzen Check am Boden. Das Pferd wird an der Hand geführt, gebürstet und sanft am Rücken abgetastet. Reagiert es auf Druck, zeigt es Abwehr oder wirkt die Muskulatur ungewöhnlich gespannt, wird die Reiteinheit verschoben.
- Arbeitsplatz vorbereiten: Wähle eine eingezäunte, ebene Halle oder einen kleinen Reitplatz ohne rutschigen Boden und Ablenkungen.
- Aufsteigen erleichtern: Nutze einen stabilen Aufsteigblock und lass das Pferd von einer zweiten Person sichern. So vermeidest du Zug am Rücken und unnötige Schiefe.
- Im Schritt beginnen: Reite zunächst fünf Minuten auf großen Linien. Geradeaus, große Zirkel und häufige Übergänge sind sinnvoller als enge Wendungen.
- Balance prüfen: Halte zwischendurch an und achte darauf, ob du gleichmäßig sitzt, ohne dich am Zügel festzuhalten.
- Dauer langsam steigern: Erhöhe die Einheit erst dann auf 15 bis 20 Minuten, wenn das Pferd locker bleibt und gleichmäßig läuft.
Trab kommt erst hinzu, wenn der Schritt wirklich stabil ist. Für viele Reiter ist der Leichttrab zunächst schonender als ausgesessener Trab, weil die Stoßbewegung geringer ausfällt. Galopp, Ausritte und schnelle Wendungen gehören für mich nicht in die ersten Versuche.
Eine kurze Einheit auf gerader Linie kann bereits genug sein. Gerade beim sattellosen Reiten merkt man oft erst nach einigen Minuten, dass der eigene Sitz unruhig wird. Ein frühes Ende ist dann kein Misserfolg, sondern gutes Training.

Der Sitz entscheidet über Komfort und Kontrolle
Die Grundposition bleibt aufrecht und elastisch. Das Becken folgt der Bewegung des Pferdes, die Beine liegen locker an und die Schultern bleiben über der Hüfte. Festklammern mit den Knien bringt kurzfristig Halt, blockiert aber das Becken und macht die Bewegung für beide Seiten härter.
Hände und Zügel
Die Hände sollten ruhig vor dem Körper getragen werden. Der Zügel dient der Kommunikation, nicht als Haltegriff. Ich übe deshalb zunächst viele Übergänge über Stimme, Sitz und leichte Gewichtsverlagerung, bevor ich überhaupt an anspruchsvollere Lektionen denke.
Hilfreich sind große Linien, sanfte Richtungswechsel und kurze Halteparaden. Kleine Kreise, abruptes Wenden oder starkes Zurücknehmen können das Pferd aus dem Gleichgewicht bringen, wenn der Reiter noch keinen unabhängigen Sitz hat.
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Was ich vermeiden würde
- Beine hochziehen: Dadurch wird der Sitz instabil und der Druck auf einzelne Bereiche erhöht.
- Am Halsriemen ziehen: Ein Halsriemen kann Sicherheit geben, ersetzt aber keine Balance.
- Zu lange aussitzen: Unruhige Stöße belasten den Rücken stärker, als viele Reiter spüren.
- Auf unebenem Boden reiten: Stolpern oder seitliches Wegrutschen wird ohne Sattel schneller gefährlich.
- Das Pferd mit dem Gewicht festhalten: Der Reiter sollte der Bewegung folgen, nicht sie blockieren.
Sicherheitscheck und Warnzeichen des Pferdes
Ein passender Reithelm, feste Schuhe mit Absatz und eine ruhige Umgebung gehören für mich immer dazu. Auch ohne Sattel bleibt Reiten ein Sturzrisiko. Die BFU empfiehlt neben einem passenden Helm unter anderem geeignete Reitstiefel und eine fachkundige Ausbildung.
Beobachte dein Pferd nicht nur während der Einheit, sondern auch beim Putzen, Satteln und Loslaufen. Ohren anlegen, Schweifschlagen, Wegdrücken des Rückens, Taktfehler oder plötzliches Anhalten können Hinweise auf Stress oder Schmerzen sein, müssen aber immer im Zusammenhang betrachtet werden.
Nach dem Reiten sollte der Rücken warm, aber nicht druckempfindlich sein. Prüfe besonders den Bereich unter den Sitzknochen und entlang der Wirbelsäule. Bleibt eine Stelle empfindlich oder läuft das Pferd am nächsten Tag steif, pausierst du und holst tierärztlichen Rat oder eine qualifizierte physiotherapeutische Einschätzung ein.
Das Pferd sollte auch nach dem Absteigen freiwillig vorwärtsgehen und sich beim Putzen entspannen. Ein einzelnes Schweifschlagen beweist noch kein Rückenproblem, wiederholte Signale verdienen jedoch Aufmerksamkeit. Das Verhalten des Pferdes ist wichtiger als der Wunsch des Reiters, die geplante Einheit unbedingt durchzuziehen.
Der richtige Maßstab für eine gute Einheit
Gutes Reiten ohne Sattel sieht nicht spektakulär aus. Es besteht oft aus zehn ruhigen Minuten im Schritt, einigen sauberen Übergängen und einem Pferd, das danach locker und zufrieden wirkt.
Ich würde diese Form deshalb als gezielte Ergänzung nutzen, nicht als tägliche Abkürzung oder Beweis besonderer Reitkunst. Wenn Pferd und Reiter vorbereitet sind, kann sie den Sitz verfeinern und das Körpergefühl verbessern. Sobald Balance, Rückenkomfort oder Sicherheit fraglich werden, ist der gut angepasste Sattel die vernünftigere Wahl.