Durch den Zirkel wechseln - so gelingt der Handwechsel

19. Oktober 2026

Illustration zeigt Reitübungen, darunter das Üben, **durch den Zirkel wechseln**. Mehrere farbige Linien und Punkte markieren die Wege.

Inhaltsverzeichnis

Wenn der Handwechsel über den Zirkel plötzlich eckig wird, liegt das meist nicht am fehlenden Tempo, sondern an der Linienführung und am richtigen Moment für die neue Stellung. Beim Durch-den-Zirkel-Wechsel verbindet der Reiter zwei halbe Volten mit einem kurzen geraden Abschnitt und führt das Pferd kontrolliert auf die andere Hand. Ich zeige, wie die Figur aufgebaut ist, welche Hilfen wirklich nötig sind und welche Fehler den Ablauf am häufigsten stören.

Die wichtigsten Punkte für einen sauberen Handwechsel

  • Zwei halbe Volten bilden die eigentliche Figur.
  • Zwischen den Bögen geht das Pferd für etwa eine Pferdelänge geradeaus.
  • In der Geraden wird die bisherige Biegung vollständig aufgegeben.
  • Die neue Stellung erfolgt erst nach dem Geraderichten, nicht schon in der Mitte.
  • Ein ruhiges Tempo und eine klare äußere Begrenzung sind wichtiger als große Geschwindigkeit.

Was beim Wechsel durch den Zirkel tatsächlich passiert

Die Hufschlagfigur beginnt auf einem bestehenden Zirkel. An der offenen Zirkelseite wendet der Reiter in Richtung Bahnmitte ab und reitet eine halbe Volte. Danach folgt ein kurzer gerader Abschnitt, meist ungefähr eine Pferdelänge lang, bevor eine zweite halbe Volte auf die neue Hand führt.

Auf einer üblichen Reitbahn mit 20 Metern Zirkelmaß liegt der gerade Abschnitt ungefähr im Bereich der Mittellinie. Entscheidend ist aber nicht, ob das Pferd exakt auf einem bestimmten Buchstaben steht, sondern ob die Linie gleichmäßig, symmetrisch und gut vorbereitet ist.

Die Figur ist nicht dasselbe wie das Aus-dem-Zirkel-Wechseln. Beim Wechsel aus dem Zirkel wird die bisherige Kreislinie verlassen und häufig über die Bahnmitte in einen gegenüberliegenden Zirkel geritten. Beim Wechsel durch den Zirkel bleiben dagegen zwei deutlich erkennbare Bögen erhalten. Genau diese Kombination macht die Übung gymnastizierend.

Figur Linienführung Worauf es besonders ankommt
Durch den Zirkel wechseln Halbe Volte, kurze Gerade, halbe Volte Geraderichten und fließendes Umstellen
Aus dem Zirkel wechseln Vom Zirkel über die Bahnmitte zum neuen Zirkel Gerade Linie und klare neue Biegung
Durch die ganze Bahn wechseln Diagonale von einem Wechselpunkt zum anderen Gerade bleiben und Tempo erhalten

So reitest du die Figur Schritt für Schritt

Den ersten Bogen vorbereiten

Ich bereite den Wechsel nicht erst am Wendepunkt vor. Schon einige Tritte vorher sollte das Pferd im gleichmäßigen Takt bleiben und sicher an den äußeren Zügel herantreten. Eine halbe Parade hilft, die Aufmerksamkeit zu bündeln, ohne den Bewegungsfluss zu bremsen.

Für die erste halbe Volte bleibt das Pferd in der bisherigen Stellung und Biegung. Der innere Schenkel hält die Biegung und sorgt dafür, dass die Hinterhand aktiv bleibt. Der äußere Zügel begrenzt Schulter und Tempo, während der äußere Schenkel verhindert, dass die Hinterhand nach außen ausweicht.

Über die Mitte gerade richten

Nach dem ersten Bogen wird das Pferd nicht einfach in die neue Richtung gezogen. Zuerst werden Kopf, Hals und Rumpf gerade ausgerichtet. Der Reiter richtet seinen Oberkörper ebenfalls auf und lässt die bisherige Innenstellung nach und nach verschwinden.

Dieser kurze gerade Abschnitt ist der technische Kern der Übung. Bleibt das Pferd noch gebogen, beginnt die zweite Volte zu früh und der Wechsel wird rund, aber nicht korrekt. Ich achte deshalb lieber auf eine klar erkennbare Gerade als auf eine besonders enge oder elegante Linie.

Die neue Hand aufnehmen

Erst wenn das Pferd gerade ist, wird die neue Stellung eingeleitet. Der neue innere Schenkel übernimmt die Biegung, der neue äußere Zügel begrenzt die Schulter und der äußere Schenkel bleibt leicht zurückgenommen. Die Hilfen sollen fließend ineinandergreifen, nicht gleichzeitig ruckartig eingesetzt werden.

Die zweite halbe Volte sollte ungefähr so groß sein wie die erste. Wird sie deutlich kleiner, war die Vorbereitung meist zu spät oder der Reiter hat zu stark mit dem inneren Zügel eingewirkt. Wird sie größer, fehlt häufig die äußere Begrenzung.

Reiterfiguren: Durch den Zirkel wechseln, Schlangenlinien und Bahnpunkte.

Welche Hilfen Reiter und Pferd wirklich brauchen

Die Figur lässt sich am einfachsten verstehen, wenn jede Hilfe eine klare Aufgabe hat. Der innere Schenkel liegt am Gurt und erhält die Biegung. Der äußere Schenkel liegt etwas hinter dem Gurt und kontrolliert die Hinterhand. Der äußere Zügel hält die Schulter auf der Linie, während der innere Zügel nur die Stellung unterstützt.

Beim Geraderichten verändert sich die Gewichtshilfe. Der Reiter sitzt nicht in die alte Kurve fest, sondern richtet sein Becken zur neuen Linie aus. Die Schultern bleiben parallel zur Schulter des Pferdes, weil ein verdrehter Oberkörper die neue Richtung oft unbewusst vorwegnimmt oder blockiert.

Im Schritt kann die Übung zunächst langsam und deutlich geritten werden. Im Arbeitstrab ist sie besonders nützlich, weil das Pferd dabei den Takt halten und die Biegung wechseln muss. Im Galopp würde ich sie erst einbauen, wenn die Übergänge zwischen den beiden Händen sicher funktionieren, denn ein zu früher Versuch führt leicht zu einem Wechsel über die Schulter oder zu einem Taktverlust.

Typische Fehler und ihre Korrektur

Der Wechsel wird zu eng

Ein zu enger erster Bogen entsteht oft, wenn der Reiter mit dem inneren Zügel zu stark einwirkt. Das Pferd weicht dann mit der Schulter aus oder kippt nach innen. Mehr Wirkung bringt in diesem Fall meist eine ruhigere innere Hand und eine deutlichere Begrenzung durch den äußeren Zügel.

Die Gerade fehlt

Viele Reiter wechseln die Stellung bereits auf der Mittellinie. Dadurch entsteht eine durchgehende S-Kurve, obwohl die Figur aus zwei halben Volten und einer kurzen Geraden besteht. Hilfreich ist ein gedanklicher Halt für einen oder zwei Tritte, ohne das Tempo tatsächlich zu verlieren.

Das Pferd fällt auf die neue Schulter

Wenn die neue halbe Volte mit der Schulter nach außen beginnt, war die neue äußere Begrenzung noch nicht präsent. Der Reiter sollte den äußeren Zügel annehmen, den neuen inneren Schenkel am Gurt aktivieren und den Oberkörper nicht zur Kurveninnenseite kippen lassen.

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Der Takt wird schneller

Ein hastiger Schritt oder Trab wirkt zunächst wie mehr Energie, macht die Linie aber meist ungenauer. Ich reite die Figur lieber etwas größer und im ruhigen Arbeitstempo, bevor ich sie enger oder in einer höheren Gangart ausführe. Ein korrektes Tempo lässt sich später leichter steigern als ein hektischer Ablauf korrigieren.

Wie du die Übung sinnvoll trainierst

Für junge oder noch unsichere Pferde beginne ich im Schritt auf einer großzügigen Linie. Zunächst werden nur die beiden halben Volten geritten, dazwischen bleibt das Pferd zwei bis drei Tritte gerade. Erst wenn das Geraderichten zuverlässig gelingt, wird der gerade Abschnitt auf ungefähr eine Pferdelänge verkürzt.

Im Trab hilft es, die Figur nicht ständig zu wiederholen. Zwei bis drei saubere Ausführungen pro Hand reichen oft aus, bevor eine Pause auf der ganzen Bahn folgt. Qualität vor Häufigkeit ist hier besonders sinnvoll, weil sich bei müden Pferden schnell ein falsches Muster aus schiefer Haltung und verkürzten Bögen festsetzt.

Eine gute Vorübung ist der Wechsel zwischen großer und kleiner werdenden Zirkeln. Dabei lernt das Pferd, auf den äußeren Zügel zu reagieren und die Hinterhand aktiv zu halten. Auch einzelne Übergänge zum Schritt auf der Geraden verbessern die Kontrolle über das Geraderichten, ohne die eigentliche Figur zu überladen.

Bei sehr engen Wendungen, schlechtem Boden oder einem Pferd mit eingeschränkter Beweglichkeit sollte die Übung angepasst oder ausgelassen werden. Die Hufschlagfigur darf gymnastizieren, aber sie ersetzt keine Prüfung von Sattel, Hufbalance oder körperlichem Wohlbefinden.

Woran du eine gelungene Ausführung erkennst

Eine gute Ausführung wirkt unspektakulär. Das Pferd behält seinen Takt, bleibt in gleichmäßiger Anlehnung und folgt der Linie, ohne über die Schulter auszuweichen. Die kurze Gerade ist erkennbar, aber nicht abgehackt, und die neue Biegung entsteht ohne sichtbaren Kampf mit den Zügeln.

Ich beurteile die Figur deshalb nicht zuerst nach ihrer Größe, sondern nach der Durchlässigkeit. Damit ist gemeint, dass die Hilfen des Reiters unmittelbar und ohne Widerstand durch den Pferdekörper gehen. Wenn das Pferd nach dem Wechsel auf der neuen Hand ruhig weiterläuft, war die Übung gelungen.

Der kleine Qualitätscheck nach dem Handwechsel

Nach der Figur sollte der Reiter kurz prüfen, ob das Pferd wirklich auf der neuen Hand angekommen ist. Bleibt der Takt stabil, fühlt sich der äußere Zügel gleichmäßig an und läuft die Hinterhand in der Spur der Vorderhand, stimmt die Grundlage.

Fühlt sich eine Seite deutlich schwerer an, würde ich nicht sofort weitere Wechsel reiten. Zwei ruhige Zirkel, ein Übergang und eine erneute, größere Linie bringen meist mehr als wiederholtes Korrigieren innerhalb der engen Figur. So wird der Handwechsel zu einer nützlichen gymnastischen Lektion und nicht zu einem bloßen Richtungswechsel.

Häufig gestellte Fragen

Der gerade Abschnitt ist meist ungefähr eine Pferdelänge lang und liegt auf einer 20-Meter-Bahn etwa im Bereich der Mittellinie. Entscheidend sind eine gleichmäßige, symmetrische Linie und das vollständige Geraderichten, nicht ein bestimmter Buchstabe.

Die bisherige Stellung wird zunächst vollständig aufgegeben, sodass Kopf, Hals und Rumpf gerade ausgerichtet sind. Erst danach wird die neue Stellung eingeleitet und die zweite halbe Volte begonnen.

Der innere Schenkel am Gurt erhält die Biegung, der äußere Schenkel kontrolliert die Hinterhand und der äußere Zügel begrenzt Schulter und Tempo. Der innere Zügel unterstützt nur die Stellung. Beim Geraderichten richtet der Reiter außerdem Becken und Oberkörper zur neuen Linie aus.

Bei einer zu engen Linie sollte die innere Hand ruhiger bleiben und der äußere Zügel deutlicher begrenzen. Wird das Pferd hastig, wird die Figur zunächst größer und im ruhigen Arbeitstempo geritten. Im Schritt können zwei bis drei gerade Tritte zwischen den Bögen geübt werden, bevor der Abschnitt auf etwa eine Pferdelänge verkürzt wird.

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Ernestine Stark

Ernestine Stark

Mein Name ist Ernestine Stark und ich bringe 8 Jahre Erfahrung im Bereich Pferdesport, Haltung und Zucht mit. Schon in meiner Kindheit entwickelte ich eine große Begeisterung für die Welt der Pferde, die mich bis heute begleitet. Ich finde es faszinierend, wie viel Wissen und Feingefühl in die artgerechte Haltung und Zucht von Pferden einfließen müssen. In meinen Beiträgen auf dieser Website möchte ich meine Erkenntnisse und Beobachtungen teilen, um anderen dabei zu helfen, die Herausforderungen und Freuden des Pferdesports besser zu verstehen. Dabei lege ich großen Wert auf sorgfältige Recherche und das Vergleichen von Informationen, um komplexe Themen verständlich und nachvollziehbar zu machen. Mein Ziel ist es, aktuelle und nützliche Informationen bereitzustellen, die sowohl Anfängern als auch erfahrenen Reitern helfen, ihre Kenntnisse zu erweitern und ihre Leidenschaft für den Pferdesport zu vertiefen.

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