Ein Pferd mit dicht gelocktem Winterfell, gekräuselter Mähne und oft auffälligen Wimpern zieht sofort Blicke auf sich. Hinter dem ungewöhnlichen Erscheinungsbild steckt das nordamerikanische American Bashkir Curly Horse, eine vielseitige, aber seltene Pferderasse. Ich zeige, wodurch sich diese Pferde unterscheiden, wie viel Pflege ihr Fell tatsächlich braucht, für welche Reiter sie geeignet sind und warum die Bezeichnung „hypoallergen“ mit Vorsicht zu verstehen ist.
Das Wichtigste über die gelockte Pferderasse auf einen Blick
- Herkunft: Das American Bashkir Curly Horse stammt ursprünglich aus Nordamerika.
- Fell: Die Locken sind im Winter meist deutlich stärker ausgeprägt als im Sommer.
- Charakter: Viele Vertreter gelten als ruhig, lernwillig, robust und menschenbezogen.
- Allergie: Eine bessere Verträglichkeit ist individuell möglich, wissenschaftlich gilt die Rasse jedoch nicht als sicher hypoallergen.
- Haltung: Trotz besonderem Fell braucht das Pferd die normale Versorgung mit Hufpflege, Impfungen, Zahnpflege und tierärztlichen Kontrollen.

Was ist das American Bashkir Curly Horse?
Das American Bashkir Curly Horse, kurz Curly Horse, ist eine nordamerikanische Pferderasse mit einem ungewöhnlichen lockigen Haarkleid. Moderne Zuchtlinien gehen vor allem auf Pferde zurück, die im Westen der USA entdeckt und später mit verschiedenen Reitpferderassen weiterentwickelt wurden. Der Name deutet zwar auf das russische Baschkirenpferd hin, eine direkte Abstammung ist jedoch nicht eindeutig belegt.
Das deutsche Zuchtprogramm des ZfdP führt die Rasse als American Curly Horse. Dabei sind unterschiedliche Typen möglich, darunter Western-, Sportpferde-, Gangpferde- und Ponytypen. Genau das macht die Einordnung manchmal schwierig: Nicht jedes lockige Pferd ist automatisch ein reinrassiger Vertreter dieser Rasse.
Auch die Größe ist nicht einheitlich festgelegt. Viele Tiere liegen ungefähr zwischen 135 und 165 Zentimetern Stockmaß, einzelne Linien können aber kleiner oder deutlich kräftiger gebaut sein. Es gibt nahezu alle Fellfarben, darunter Rappen, Füchse, Schimmel, Schecken und Appaloosa-Zeichnungen.
Warum das Fell lockig wird und sich jahreszeitlich verändert
Das lockige Haarkleid ist das auffälligste Rassemerkmal. Im Winter bildet sich häufig ein dichtes, weiches Fell mit Wellen, kleinen Ringellocken oder einer Struktur, die an Schaffell erinnert. Im Sommer wird das Fell deutlich kürzer und glatter, sodass ein Curly Horse dann manchmal kaum noch gelockt aussieht.
Besonders auffällig bleiben oft die gekräuselte Mähne, der Schopf, die Ohrenhaare und die Fesselbehaarung. Manche Pferde tragen außerdem geschwungene Tasthaare und Wimpern. Die Ausprägung ist jedoch individuell verschieden. Bei einigen Tieren erkennt man nur leichte Wellen, während andere im Winter fast vollständig von engen Locken bedeckt sind.
Für die Zucht ist wichtig, dass die Vererbung des Haarkleids nicht völlig einheitlich funktioniert. Es gibt Linien mit dominanter Vererbung und Fälle, in denen ein lockiges Fohlen aus glatthaarigen Eltern entsteht. Außerdem können Pferde Träger eines entsprechenden Gens sein, ohne selbst stark gelockt zu wirken. Wer züchten möchte, sollte deshalb Abstammung, Zuchtbuch und gegebenenfalls Gentests gemeinsam betrachten.
Charakter, Größe und passende Einsatzbereiche
Ich erlebe den ruhigen und kooperativen Charakter als einen der größten Vorzüge dieser Pferde. Viele Vertreter sind aufmerksam, menschenbezogen und lernen schnell, ohne dabei hektisch zu wirken. Das macht sie interessant für Freizeitreiter, Familien und Menschen, die ein verlässliches Partnerpferd suchen.
| Merkmal | Typische Einordnung |
|---|---|
| Stockmaß | Etwa 135 bis 165 cm, je nach Zuchtlinie |
| Körperbau | Vom kompakten Ponytyp bis zum kräftigen Reitpferdetyp |
| Temperament | Oft ruhig, freundlich, lernwillig und belastbar |
| Einsatz | Freizeitreiten, Westernreiten, Dressur, Springen, Fahren und Wanderritte |
Geeignet sind die Tiere unter anderem für Trail- und Wanderritte, Westerndisziplinen, Dressurarbeit und Fahrzwecke. Kräftigere Linien können auch für anspruchsvollere Aufgaben eingesetzt werden. Trotzdem sollte niemand allein vom Rassenamen auf die sportliche Qualität schließen. Entscheidend bleiben Ausbildung, Körperbau, Bewegungsqualität und die bisherige Erfahrung des einzelnen Pferdes.
Für Anfänger kann ein gut ausgebildetes Curly-Pferd eine gute Wahl sein, aber auch hier zählt der individuelle Charakter mehr als das lockige Fell. Ich würde besonders bei Jugendlichen und Wiedereinsteigern auf ein ausgeglichenes, erfahrenes Pferd achten und nicht auf ein junges Tier setzen, nur weil es optisch außergewöhnlich wirkt.
Wie viel Pflege das besondere Fell wirklich braucht
Das Winterfell schützt viele dieser Pferde gut vor Kälte, Wind und Nässe. Es ersetzt aber keinen trockenen Liegebereich, keinen Witterungsschutz und keine aufmerksame Haltung. Ein dichter Pelz kann Feuchtigkeit lange speichern, wenn das Pferd nach starkem Regen nicht ausreichend abtrocknen kann.
Bei der täglichen Pflege ist weniger oft mehr. Das Körperfell sollte vorsichtig mit einer weichen Bürste oder einem geeigneten Striegel gereinigt werden, ohne die Locken unnötig auszureißen. Mähne und Schweif sollte man möglichst selten durchbürsten, weil die natürliche Struktur sonst schnell verloren geht und die Haare abbrechen können.
Im Fellwechsel im Frühjahr fällt teilweise sehr viel Haar an. Das ist bei dieser Rasse normal und nicht automatisch ein Krankheitszeichen. Wenn das Pferd jedoch ungewöhnlich lange nicht abhaart, stark schwitzt, Gewicht verliert oder zusätzlich viel trinkt und uriniert, sollte ein Tierarzt Erkrankungen wie das Equine Cushing-Syndrom ausschließen.
Die übrige Versorgung unterscheidet sich nicht grundsätzlich von der anderer Pferde. Dazu gehören regelmäßige Hufbearbeitung, Zahnkontrollen, Impfungen, Parasitenmanagement und eine an den Bedarf angepasste Fütterung. Der verbreitete Irrtum, Curly Horses bräuchten wegen ihrer Robustheit weniger medizinische Betreuung, kann für das Tier gefährlich werden.
Sind Curly Horses für Menschen mit Pferdeallergie geeignet?
Die Rasse wird häufig als hypoallergen beworben. Manche Allergiker berichten tatsächlich, dass sie Curly Horses besser vertragen als andere Pferde. Daraus lässt sich aber keine sichere Regel ableiten, denn allergische Reaktionen können durch verschiedene Proteine in Hautschuppen, Haaren, Speichel und Stallstaub ausgelöst werden.
Eine 2024 veröffentlichte proteomische Untersuchung fand die bekannten Atemwegsallergene auch im Haar von Curly Horses. Für das wichtigste Pferdeallergen Equ c 1 zeigte sich keine grundsätzlich geringere IgE-Bindung als bei anderen Pferden. Damit ist wissenschaftlich nicht belegt, dass die Rasse für Allergiker generell sicherer ist.
Meine Empfehlung ist deshalb klar. Wer auf Pferde reagiert, sollte vor dem Kauf mehrere Termine mit genau dem vorgesehenen Tier vereinbaren, dabei nicht nur reiten, sondern auch putzen und im Stall bleiben. Bei Asthma oder starken Reaktionen gehört eine allergologische Abklärung dazu. Ein Probekontakt ersetzt keine medizinische Beratung und ein einzelnes symptomfreies Erlebnis garantiert keine dauerhafte Verträglichkeit.
Worauf man beim Kauf und bei der Zucht achten sollte
Beim Kauf würde ich zuerst die Papiere prüfen und erst danach das Fell bewundern. Ein seriöser Verkäufer kann Abstammungsnachweis, Equidenpass, Gesundheitsunterlagen und Informationen zur Registrierung vorlegen. Bei einem Zuchtpferd sollten außerdem die verwendeten Linien, mögliche Gentests und die Zuchtziele nachvollziehbar erklärt werden.
Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem registrierten American Curly Horse und einem Pferd einer anderen Rasse mit zufällig lockigem Fell. Das zweite kann ebenfalls ein tolles Reitpferd sein, ist aber nicht automatisch ein Rassevertreter. Locken allein ersetzen keinen überprüfbaren Abstammungsnachweis.
Bei der Besichtigung sollte das Pferd nicht nur im Winterfell gezeigt werden. Im Sommer kann die Lockung deutlich schwächer ausfallen. Ich würde mir das Tier in Bewegung, beim Putzen und möglichst auch im Umgang mit anderen Pferden ansehen. So erkennt man eher, ob Charakter, Ausbildungsstand und Körperbau wirklich zum eigenen Alltag passen.
In Deutschland ist die Population vergleichsweise klein. Dadurch kann die Suche länger dauern und die Auswahl begrenzt sein. Für die Zucht sind genetische Vielfalt, korrekte Dokumentation und ein gesunder Körperbau wichtiger als eine möglichst enge Lockenstruktur. Ein spektakuläres Fell darf niemals über schwache Hufe, problematische Bewegungen oder einen schwierigen Charakter hinwegtäuschen.
Wann ein Curly-Pferd wirklich zu mir passt
Für mich ist diese Rasse besonders interessant für Reiter, die ein vielseitiges Pferd mit ungewöhnlichem Erscheinungsbild suchen und bereit sind, sich auf individuelle Unterschiede einzustellen. Wer ein robustes, freundliches Tier für Freizeit, Gelände oder verschiedene Reitweisen sucht, kann im Curly Horse einen starken Partner finden.
Die beste Entscheidung entsteht aber nicht aus der Hoffnung auf ein allergiefreies Pferd oder aus der Faszination für die Locken. Ausschlaggebend sind Gesundheit, Charakter, Ausbildung, Haltungsmöglichkeiten und seriöse Herkunft. Wer diese Punkte sorgfältig prüft, bekommt nicht nur ein außergewöhnliches Fell, sondern die Chance auf eine verlässliche Partnerschaft im Stall und unter dem Sattel.