Ein kleines Pferd, das Erwachsene trägt, im Gelände trittsicher bleibt und bis zu fünf Gänge zeigen kann, ist für viele Reiter besonders interessant. Islandpferde verbinden Robustheit, Ausdauer und einen eigenen Reitkomfort, verlangen aber trotzdem eine durchdachte Haltung und gute Ausbildung. Ich zeige, was die Rasse ausmacht, für wen sie geeignet ist und worauf es bei Haltung, Gesundheit, Kauf und Zucht wirklich ankommt.
Das macht Islandpferde im Alltag besonders
- Herkunft: Die Rasse stammt aus Island und wird in Reinzucht erhalten.
- Größe: Islandpferde erreichen meist etwa 135 bis 145 Zentimeter Widerristhöhe.
- Gänge: Neben Schritt, Trab und Galopp beherrschen viele Pferde den Tölt, manche zusätzlich den Rennpass.
- Haltung: Am besten passen Herdenhaltung, viel Bewegung, Raufutter und ein gut geschützter Offenstall.
- Gesundheit: Übergewicht, zu energiereiche Fütterung und Sommerekzem verdienen besondere Aufmerksamkeit.

Was das Islandpferd so besonders macht
Das Islandpferd stammt aus Island und wird häufig auch Isländer oder Islandpony genannt. Fachlich handelt es sich um ein kleines, kräftiges Pferd, nicht bloß um ein Kinderpony. Sein Körperbau ermöglicht es vielen Erwachsenen, es sicher und ausdauernd zu reiten.
Die Rasse entwickelte sich unter anspruchsvollen klimatischen Bedingungen. Kälte, Wind, karge Böden und schwieriges Gelände begünstigten Pferde mit guter Trittsicherheit, Ausdauer und Widerstandskraft. Diese Eigenschaften sind bis heute deutlich spürbar, dürfen aber nicht mit Anspruchslosigkeit verwechselt werden.
| Merkmal | Typisch für die Rasse | Was es praktisch bedeutet |
|---|---|---|
| Herkunft | Island | Die Zucht orientiert sich am isländischen Rassestandard. |
| Widerristhöhe | Etwa 135 bis 145 cm | Die geringe Größe sagt wenig über Tragfähigkeit und Leistungsvermögen aus. |
| Farben | Viele Farbvarianten und Abzeichen | Die Auswahl reicht von Rappen und Füchsen bis zu Schecken und aufgehellten Farben. |
| Körperbau | Kräftig, beweglich und gut bemuskelt | Ein passender Sattel und eine korrekte Bemuskelung bleiben trotzdem entscheidend. |
| Verwendung | Freizeit, Wanderritt und Sport | Islandpferde können vielseitig eingesetzt werden, wenn Ausbildung und Haltung stimmen. |
Beim Charakter erlebe ich die Rasse als aufmerksam, menschenbezogen und oft erstaunlich selbstbewusst. Ein gut erzogener Isländer ist meist verlässlich, doch gerade temperamentvolle Tiere brauchen klare, ruhige Hilfen. Wer nur ein unkompliziertes Pferd ohne eigenen Kopf sucht, kann von dieser Rasse überrascht sein.
Tölt und Pass verständlich erklärt
Der Tölt ist der bekannteste Grund für die Beliebtheit der Isländer. Es handelt sich um einen klaren Viertakt ohne Schwebephase, bei dem immer mindestens ein Fuß den Boden berührt. Dadurch kann sich der Gang für den Reiter besonders ruhig anfühlen, obwohl das Pferd ein zügiges Tempo entwickelt.
Allerdings tölten nicht alle Pferde automatisch sauber. Körperbau, Gleichgewicht, Ausbildung, Reitergewicht und Trainingszustand beeinflussen die Qualität stark. Ein Pferd kann genetisch töltveranlagt sein und trotzdem Taktfehler zeigen, wenn es zu eilig geritten wird oder noch nicht genügend Tragkraft besitzt.
Viergänger und Fünfgänger
Viergänger beherrschen Schritt, Trab, Galopp und Tölt. Fünfgänger zeigen zusätzlich den Rennpass, einen schnellen Zweitakt mit kurzer Schwebephase. Dieser Gang gehört in erfahrene Hände und ist nicht automatisch ein Vorteil für jeden Freizeitreiter.
| Gangart | Typische Eigenschaft | Wichtig für Reiter |
|---|---|---|
| Schritt | Viertakt und klarer Bodenkontakt | Grundlage für Losgelassenheit und Ausdauertraining |
| Trab | Zweitakt mit Schwebephase | Hilft beim Aufbau von Balance und Rückenmuskulatur |
| Galopp | Dreitakt mit Schwebephase | Zeigt, ob das Pferd sich wirklich trägt und gerade richtet |
| Tölt | Viertakt ohne Schwebephase | Komfortabel, aber nur bei gutem Takt und korrekter Ausbildung |
| Rennpass | Schneller Zweitakt mit Schwebephase | Sportlich anspruchsvoll und nicht bei jedem Pferd vorhanden |
Mein wichtigster Rat lautet deshalb, den Tölt nicht zu früh zu erzwingen. Erst wenn Schritt, Trab, Galopp, Übergänge und Längsbiegung funktionieren, kann der zusätzliche Gang gesund entwickelt werden. Ein langsamer, taktreiner Tölt ist deutlich wertvoller als spektakuläre Geschwindigkeit mit Verspannung oder Taktverlust.
Für wen sich ein Islandpferd eignet
Islandpferde passen gut zu Menschen, die ein vielseitiges Pferd für Gelände, Wanderreiten und regelmäßige Bodenarbeit suchen. Viele Tiere sind nervenstark und trittsicher genug für lange Ausritte, bleiben dabei aber beweglich und lernfreudig. Auch sportlich bieten sie mit Tölt- und Passprüfungen ein eigenes, abwechslungsreiches Betätigungsfeld.
Die geringe Körpergröße sollte niemanden zu einer vorschnellen Entscheidung verleiten. Entscheidend sind Rückenlänge, Knochenstärke, Bemuskelung, Sattelpassform und Reitweise. Ein großer Erwachsener kann auf einem passenden Islandpferd harmonisch sitzen, während ein kleiner Reiter auf einem schlecht gebauten oder untrainierten Tier Probleme bekommen kann.
Stärken und Grenzen im Vergleich
| Stärke | Grenze |
|---|---|
| Hohe Ausdauer und Trittsicherheit | Kein Ersatz für Erziehung und regelmäßiges Training |
| Angenehmer Tölt für viele Reiter | Ein sauberer Tölt braucht Balance und fachkundige Ausbildung |
| Robuste Haltung im Offenstall möglich | Robust bedeutet nicht, dass Pflege oder Tierarzt überflüssig werden |
| Vielseitig für Freizeit und Sport | Manche Pferde sind temperamentvoller, als Anfänger erwarten |
Für Einsteiger empfehle ich ein bereits gut ausgebildetes, ruhiges Pferd und Unterricht bei jemandem, der Gangpferde wirklich kennt. Wer nur klassisches Reiten gelernt hat, muss den Tölt zunächst selbst erspüren und darf nicht versuchen, ihn mit ständigem Antreiben schneller zu machen.
Welche Haltung in Deutschland wirklich passt
Die meisten Isländer fühlen sich in einer stabilen Herde mit viel freier Bewegung wohler als in dauerhafter Boxenhaltung. Ein Offenstall mit trockenem Liegebereich, sauberem Wasser, Witterungsschutz und befestigten Fressplätzen ist meist die passendere Lösung. Auch zwei Pferde können soziale Gesellschaft bieten, eine größere, gut zusammengestellte Gruppe entspricht dem natürlichen Verhalten jedoch eher.
Das dichte Winterfell schützt die Tiere zuverlässig vor Kälte. Gegen Dauerregen, aufgeweichte Böden und sommerliche Hitze brauchen sie trotzdem geeignete Rückzugsmöglichkeiten. Ich halte eine warme Stallluft für weniger wichtig als trockene Liegeflächen, gute Luft und ausreichend Bewegung.
Fütterung mit Augenmaß
Viele Islandpferde verwerten nährstoffreiches Futter sehr effizient. Dauerweide, große Mengen Kraftfutter und wenig Bewegung führen deshalb schnell zu Übergewicht. Die Ration sollte vor allem aus passendem Raufutter bestehen und an Körperzustand, Arbeitspensum und Weideangebot angepasst werden.
Besonders hilfreich ist eine regelmäßige Gewichtskontrolle über Maßband, Körperzustand und Fotos. Ein deutlich sichtbarer Fettkamm am Mähnenkamm oder weiche Fettpolster an Schweifansatz und Schulter sind keine Schönheitsfehler, sondern Warnzeichen. Bei leichtfuttrigen Pferden können begrenzter Weidezugang, langsame Fresssysteme und tägliche Bewegung sinnvoll sein.
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Gesundheit und Sommerekzem
Ein häufig diskutiertes Problem bei importierten und hier gezogenen Islandpferden ist das Sommerekzem. Dabei reagiert das Pferd allergisch auf Stiche bestimmter Gnitzen. Fliegendecken, konsequenter Insektenschutz, geeignete Weidezeiten und eine tierärztliche Begleitung können die Beschwerden deutlich reduzieren, garantieren aber nicht immer völlige Beschwerdefreiheit.
Auch Hufe, Zähne, Rücken und Sattel sollten regelmäßig kontrolliert werden. Die robuste Herkunft schützt nicht vor Bewegungsmangel, Fehlfütterung oder einem unpassenden Trainingsaufbau. Gerade beim Tölt fallen kleine muskuläre oder taktliche Probleme oft früh auf, wenn man aufmerksam reitet.
Worauf es beim Kauf und in der Zucht ankommt
Beim Kauf sollte der Tölt nie das einzige Entscheidungskriterium sein. Ich würde ein Pferd immer in mehreren Situationen ansehen: auf dem Reitplatz, im Gelände, in der Gruppe und möglichst auch beim Putzen sowie beim Hufausheben. So zeigt sich eher, ob Charakter, Ausbildungsstand und Alltagstauglichkeit wirklich zum Käufer passen.
- Abstammungsnachweise und Identität prüfen
- Gesundheitszustand durch eine unabhängige Ankaufsuntersuchung kontrollieren lassen
- Hufe, Zähne, Rücken und Bewegungsablauf fachkundig beurteilen
- Das Pferd selbst reiten oder von einer vertrauten Person probereiten lassen
- Nach Haltung, Fütterung, bisherigen Erkrankungen und Trainingspausen fragen
Für die anerkannte Islandpferdezucht ist eine lückenlos nachvollziehbare Abstammung bis nach Island entscheidend. Fremdbluteinkreuzungen widersprechen dem Grundgedanken der Reinzucht. In Deutschland orientieren sich Züchter an festgelegten Zuchtzielen, bei denen nicht nur Farbe oder Gang, sondern auch Gesundheit, Fruchtbarkeit, Charakter, Tragfähigkeit und Rittigkeit zählen.
Ein schönes Fohlen mit auffälliger Farbe ist deshalb noch keine gute Zuchtentscheidung. Ich würde immer darauf achten, ob die Elterntiere gesund, korrekt gebaut und im Alltag verlässlich sind. Für Freizeitreiter kann ein älteres, gut ausgebildetes Pferd die bessere Wahl sein als ein günstiges Jungtier, dessen Ausbildung und Gangentwicklung noch völlig offen sind.
So findet das Islandpferd den passenden Platz
Islandpferde sind keine Miniaturversion großer Sportpferde, sondern eigenständige, ausdauernde Gangpferde mit besonderen Ansprüchen. Ihre Stärken kommen dann zur Geltung, wenn sie in einer sozialen Herde leben, kontrolliert gefüttert werden und eine Ausbildung erhalten, die Balance vor Tempo stellt.
Wer diese Punkte ernst nimmt, bekommt einen vielseitigen Partner für Ausritte, Wanderreiten und sportliches Gangreiten. Für mich ist nicht der spektakulärste Tölt das wichtigste Auswahlkriterium, sondern ein gesundes Pferd mit stabilem Charakter, guter Grundausbildung und einer Haltung, in der es sich dauerhaft wohlfühlt.