Eine Kandare richtig zu verschnallen bedeutet weit mehr, als zwei Gebisse am Zaumzeug zu befestigen. Entscheidend sind die Lage von Unterlegtrense und Kandarengebiss, die passende Gebissweite, eine flach liegende Kinnkette und ein Ausbildungsstand, der diese deutlich stärkere Einwirkung überhaupt zulässt. Ich zeige dir Schritt für Schritt, woran du eine passende Einstellung erkennst, welche Fehler häufig Schmerzen verursachen und wie du die Zäumung vor dem Aufsteigen prüfst.
Diese Einstellungen machen den Unterschied
- Unterlegtrense: Sie liegt wie ein passendes normales Trensengebiss und sitzt etwas höher als die Kandare.
- Kandarengebiss: Es liegt tiefer, meist etwa 0,5 bis 1 cm schmaler als die Unterlegtrense, ohne diese zu berühren.
- Kinnkette: Sie liegt flach und unverdreht in der Kinngrube. Bei angenommener Kandare entsteht ein Winkel von ungefähr 30 bis 45 Grad.
- Seitenteile: Die Unterzüge zeigen in der Grundstellung nach hinten und dürfen nicht nach vorne kippen.
- Sicherheitscheck: Druckstellen, Maulöffnen, Zungenzeigen oder starkes Kopfschlagen sind Warnzeichen und müssen ernst genommen werden.
Die Kandarenzäumung verstehen, bevor du etwas einstellst
Bei einer klassischen Kandarenzäumung wirken zwei Gebisse zusammen. Die Unterlegtrense ermöglicht eine direkte, feinere Zügelführung. Das Kandarengebiss ist ein Stangengebiss mit Seitenteilen, den sogenannten Anzügen, und wirkt über Hebelwirkung zusätzlich auf Laden, Kinngrube und Genick.
Die Kinnkette ist dabei kein nebensächliches Zubehör. Sie begrenzt, wie weit sich die Anzüge drehen können, und beeinflusst damit den Zeitpunkt und die Stärke der Kandarenwirkung. Genau deshalb halte ich die Kinnkette für den wichtigsten Kontrollpunkt der gesamten Zäumung.
Eine Kandare ersetzt keine Ausbildung. Pferd und Reiter sollten bereits sicher an einer einfachen Trense kommunizieren können, bevor die zusätzliche Hebelwirkung hinzukommt. Gerade bei einem noch nicht ausreichend geraderichteten Pferd kann eine Stange das Genick verwerfen oder Widerstand verstärken, statt die Hilfen feiner zu machen.
Die Bestandteile im Überblick
- Unterlegtrense: ein einfach oder doppelt gebrochenes Trensengebiss, das in Form und Weite zum Pferdemaul passen muss.
- Kandarengebiss: ein Stangengebiss mit Ober- und Unterbaum. Der Oberbaum liegt oberhalb des Mundstücks, der längere Unterbaum darunter.
- Kinnkette: Sie verbindet die unteren Bereiche der Seitenteile und liegt unter dem Kinn.
- Kinnkettenunterlage: eine weiche Unterlage, die bei empfindlicher Haut den Druck besser verteilt.
- Englisches Reithalfter: Bei einer klassischen Dressurkandare ist diese Form üblich und im FN-Turnierregelwerk vorgeschrieben.

So passt du beide Gebisse Schritt für Schritt an
Ich beginne immer mit einem ruhigen Pferd und einem Zaum, der vor dem Anlegen vollständig kontrolliert wurde. Beschädigte Riemen, scharfe Kanten oder eine rostige Kette gehören aussortiert, bevor überhaupt eine Einstellung versucht wird.
- Unterlegtrense zuerst anpassen. Sie wird ähnlich verschnallt wie ein normales Trensengebiss. Je nach Maulform kann eine leichte Falte am Mundwinkel entstehen, häufig sind ein bis zwei kleine Falten ein brauchbarer Ausgangspunkt. Die Falten allein entscheiden aber nicht über den richtigen Sitz. Das Pferd muss das Maul entspannt schließen und kauen können.
- Die Kandare darunter positionieren. Das Stangengebiss liegt tiefer als die Unterlegtrense und sollte die Maulwinkel nicht nach oben ziehen. Zwischen beiden Gebissen muss ausreichend Platz bleiben. Berühren sie sich bei leicht angenommenen Zügeln, stimmt die Höhe oder die Gebissgröße meist nicht.
- Die Weite kontrollieren. Die Unterlegtrense orientiert sich an der passenden normalen Trense. Das Kandarengebiss darf in der Regel etwas schmaler sein, meist etwa 0,5 bis 1 cm. Die Seitenteile sollen dicht am Maul anliegen, ohne die Haut einzuklemmen.
- Die Kinnkette einhängen. Sie wird flach durch die Kinngrube geführt und darf sich nicht verdrehen. Beide Haken müssen frei beweglich sein. Eine Polsterung kann empfindliche Haut schützen, verändert aber nicht die Notwendigkeit einer korrekten Einstellung.
- Den Winkel prüfen. Bei leicht angenommener Kandare sollte sich der Unterzug ungefähr 30 bis 45 Grad zur Maulspalte drehen können. Der klassische Richtwert liegt bei etwa 45 Grad. Entscheidend ist nicht eine starre Zahl, sondern dass die Kette früh genug anliegt und die Kandare nicht unkontrolliert durchfällt.
- Kehl- und Nasenriemen kontrollieren. Der Kehlriemen hält die komplette Zäumung am Pferdekopf. Der Nasenriemen darf die Atmung, das Kauen und die Beweglichkeit des Unterkiefers nicht behindern. Eine enge Verschnallung macht die Kandare nicht präziser, sondern oft nur unangenehmer.
Nach dem Anpassen lasse ich das Pferd den Kopf kurz selbst tragen und beobachte die Zäumung von der Seite. Die Kandarenbäume sollen ruhig liegen, während die Unterlegtrense ihre eigene Lage behält. Erst danach nehme ich die Zügel auf und prüfe, ob die Kinnkette gleichmäßig Kontakt bekommt.
Gebissgröße und Maulform entscheiden über den Komfort
Die passende Größe lässt sich nicht zuverlässig allein vom bisherigen Gebiss ableiten. Bei der Kandare liegen zwei Gebisse gleichzeitig im Maul, deshalb zählt der verfügbare Platz besonders stark. Ein zu breites Gebiss wandert seitlich, ein zu schmales kann an den Maulwinkeln drücken.
| Teil | Orientierung | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| Unterlegtrense | Wie die passende normale Trense | Ruhige Lage, freie Maulwinkel und ausreichend Platz für die Kandare |
| Kandarengebiss | Meist 0,5 bis 1 cm schmaler | Seitenteile liegen an, ohne Haut oder Lippen einzuklemmen |
| Gebissstärke | In der Praxis häufig 12 bis 14 mm bei der Unterlegtrense | Maulraum, Zunge und individuelle Anatomie berücksichtigen |
| Zungenfreiheit | Abhängig von Zunge, Gaumen und Stangenform | Zu viel Wölbung konzentriert den Druck auf empfindliche Bereiche |
Bei Pferden mit wenig Platz im Maul ist eine dünne, anatomisch passende Unterlegtrense oft sinnvoller als ein besonders massives Modell. Das ist kein Freibrief für möglichst dünne Gebisse, denn dünn bedeutet nicht automatisch weich. Die Form und die ruhige Lage sind mindestens so wichtig wie die Millimeterangabe.
Auch Hengstzähne, Wolfszähne, scharfe Zahnkanten oder eine verspannte Maulpartie können die Anpassung beeinflussen. Liegt das Gebiss zu nah an einem Hengstzahn oder auf einer gereizten Lade, wird das Pferd die Zäumung häufig durch Kopfschlagen, Maulöffnen oder Entziehen der Anlehnung kommentieren. In solchen Fällen gehört zuerst das Pferdemaul fachlich untersucht.
Diese Verschnallfehler verändern die Wirkung deutlich
Die meisten Probleme entstehen nicht, weil ein Reiter die Zäumung gar nicht einstellen kann, sondern weil ein kleiner Fehler als nebensächlich betrachtet wird. Bei der Kandare hat eine geringfügige Änderung an der Kinnkette oft deutlich mehr Wirkung als bei einer normalen Trense.
| Fehler | Mögliche Folge | Bessere Kontrolle |
|---|---|---|
| Kinnkette zu locker | Die Kandare dreht sich zu weit und die Hebelwirkung setzt verspätet oder plötzlich ein. | Kette kürzer einstellen, bis der Unterzug bei angenommener Zügelführung ungefähr 30 bis 45 Grad erreicht. |
| Kinnkette zu fest | Dauerhafter Druck auf Kinngrube und Unterkiefer, eingeschränkte Kautätigkeit. | Mehr Spiel geben und die Wirkung erst über den Winkel beurteilen. |
| Kette verdreht | Einzelne Glieder drücken punktuell und können Scheuerstellen verursachen. | Vor jedem Anlegen flach ausrichten und beide Seiten gleichmäßig einhängen. |
| Gebisse berühren sich | Unruhige Lage, Druck und störende Geräusche im Maul. | Höhe, Weite und Gebissform gemeinsam prüfen. |
| Unterzüge zeigen nach vorne | Die Kandare kann zu früh und zu direkt wirken. | Seitenteile und Ketteneinstellung kontrollieren, bevor die Zügel aufgenommen werden. |
| Zu viele Falten am Maulwinkel | Die Gebisse hängen möglicherweise zu hoch und drücken dauerhaft. | Die Höhe nach Lage, Maulschluss und Beweglichkeit beurteilen, nicht nach einer starren Faltenzahl. |
Eine besonders verbreitete Fehleinschätzung ist die Annahme, eine straffere Kinnkette mache die Hilfen feiner. Tatsächlich begrenzt sie vor allem den Weg der Anzüge. Fein wird die Kandare durch eine ruhige Hand und eine passende Ausbildung, nicht durch möglichst wenig Spiel.
Vor dem Aufsteigen und während des Reitens prüfen
Nach dem Verschnallen sollte das Pferd den Kopf normal bewegen, schlucken und kauen können. Ich kontrolliere zuerst im Stand, ob die Kette mittig liegt, die Seitenteile nicht an den Lippen drücken und kein Riemen unter dem Jochbein scheuert.
Beim Aufnehmen der Zügel darf die Kinnkette nicht sofort hart in die Kinngrube ziehen. Reagiert das Pferd bereits bei einem sehr kleinen Zügelkontakt mit Maulöffnen, Zungenzeigen, starkem Kopfschlagen oder Rückwärtsgehen, löse ich die Situation und suche die Ursache. Das kann an der Verschnallung liegen, aber ebenso an Zähnen, Rücken, Sattel, Reiterhand oder fehlender Vorbereitung.
Die ersten Einheiten auf Kandare sollten kurz und möglichst unter Anleitung eines erfahrenen Trainers stattfinden. Der Trainer kann von außen besser beurteilen, ob das Pferd tatsächlich losgelassen bleibt oder nur äußerlich in eine Haltung gebracht wird. Die FN weist ebenfalls darauf hin, dass Ausbilder die fachgerechte Anwendung und Anpassung der Ausrüstung mitverantworten.
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Was im Turnier zusätzlich zählt
Für Dressurprüfungen gelten neben dem korrekten Sitz auch Ausrüstungsvorschriften. Im FN-Ausrüstungskatalog mit Stand Februar 2026 wird die Kandare in den entsprechenden Prüfungen grundsätzlich zusammen mit einer Unterlegtrense verwendet. Vorgeschrieben sind dort unter anderem eine Kinnkette, ein englisches Reithalfter sowie bestimmte Maße für Oberbaum, Unterbaum und Zungenfreiheit.
Die dort genannten Höchstmaße liegen bei 5 cm für den Oberbaum, 10 cm für den Unterbaum und 40 mm Zungenfreiheit. Wer auf einem Turnier starten möchte, sollte die aktuelle Ausschreibung und den geltenden Ausrüstungskatalog prüfen, denn eine im Training tolerierte Kombination ist nicht automatisch in jeder Prüfung zugelassen.
Der letzte Blick vor dem Aufsteigen
- Liegt die Unterlegtrense ruhig und die Kandare etwas tiefer?
- Berühren sich die beiden Gebisse bei leichtem Zügelkontakt nicht?
- Ist die Kinnkette flach, mittig und unverdreht?
- Erreicht der Unterzug bei angenommener Kandare ungefähr einen Winkel von 30 bis 45 Grad?
- Kann das Pferd Maul und Unterkiefer entspannt bewegen?
- Gibt es Druckstellen, Scheuerhaare oder ungewöhnlichen Widerstand?
Wenn du bei einem dieser Punkte unsicher bist, lass die Zäumung einmal von einem guten Trainer, Pferdezahnarzt oder Sattler kontrollieren. Eine korrekt angepasste Kandare soll die Kommunikation verfeinern und nicht das Pferd durch zusätzlichen Druck in eine Haltung zwingen.