Hufrehe beim Pferd erkennen und richtig handeln

16. September 2026

Nahaufnahme eines Pferdehufs, der auf Hufrehe untersucht wird. Ein Mensch hält den Huf, um ihn genauer zu betrachten.

Inhaltsverzeichnis

Wenn ein Pferd plötzlich vorsichtig läuft, die Vorderbeine nach vorn stellt oder ungern aus der Box kommt, zählt jede Stunde. Hufrehe ist eine schmerzhafte Erkrankung des Huftrageapparats, die sich von einer zunächst unscheinbaren Lahmheit bis zur Rotation oder Absenkung des Hufbeins entwickeln kann. Ich zeige, woran Sie die Erkrankung erkennen, welche Ursachen häufig dahinterstecken und was bis zum Eintreffen des Tierarztes sinnvoll ist.

Die wichtigsten Schritte bei Hufrehe auf einen Blick

  • Sofort den Tierarzt rufen, denn akute Hufrehe ist ein Notfall.
  • Bewegung vermeiden und das Pferd auf weicher, tiefer Einstreu ruhigstellen.
  • Kraftfutter und Weidezugang stoppen, aber das Pferd nicht eigenmächtig vollständig hungern lassen.
  • Hufwärme und Digitalpuls prüfen, ohne sich auf ein einzelnes Anzeichen zu verlassen.
  • Röntgenbilder und Ursachenabklärung entscheiden über Behandlung, Hufbearbeitung und Prognose.

Nahaufnahme der Hufe eines Pferdes mit Hufrehe. Der Huf ist mit einer grünen Substanz behandelt, die auf eine medizinische Behandlung hinweist.

Was bei Hufrehe im Huf passiert

Im Inneren des Hufs verbinden empfindliche und unempfindliche Blättchen die Hufkapsel mit dem Hufbein. Diese Verbindung bildet den Huftrageapparat. Entzündet und geschädigt sich dieses Gewebe, verliert das Hufbein seine stabile Aufhängung.

Bleibt die Belastung bestehen, kann die tiefe Beugesehne das Hufbein nach hinten kippen. Man spricht dann von einer Hufbeinrotation. Bei einer Absenkung sinkt die knöcherne Säule im gesamten Huf nach unten. In schweren Fällen kann die Hufbeinspitze die Sohle gefährlich stark belasten oder sogar durchbrechen.

Ich finde es wichtig, zwischen der sichtbaren Lahmheit und dem eigentlichen Schaden zu unterscheiden. Wenn das Pferd deutlich lahmt, ist der Prozess oft schon weit fortgeschritten. Die ersten Stunden der akuten Phase, häufig werden bis zu 72 Stunden betrachtet, sind deshalb besonders ernst zu nehmen.

Welche Ursachen Hufrehe beim Pferd auslösen können

Hufrehe entsteht nicht nur durch zu viel Gras. In der Praxis kommen mehrere Auslöser infrage, und manchmal treffen sogar mehrere Risikofaktoren zusammen.

Futter und Stoffwechsel

Große Mengen leicht verdaulicher Kohlenhydrate aus Getreide, Kraftfutter oder üppiger Weide können den Darm und den Insulinhaushalt stark belasten. Besonders gefährdet sind Pferde mit Übergewicht, Insulin-Dysregulation oder Equinem Metabolischem Syndrom.

Auch PPID, früher oft als Cushing-Syndrom bezeichnet, kann das Risiko erhöhen. Ein rundlicher Körperbau allein beweist noch keine Stoffwechselstörung, ist aber ein guter Anlass, Gewicht, Fütterung und gegebenenfalls Blutwerte tierärztlich überprüfen zu lassen.

Entzündungen und schwere Allgemeinerkrankungen

Schwere Koliken, Durchfallerkrankungen, Gebärmutterentzündungen oder zurückgebliebene Nachgeburt können Entzündungsstoffe und bakterielle Toxine im Körper freisetzen. Diese Form wird häufig als entzündungsbedingte oder toxische Hufrehe bezeichnet.

Überlastung einer Gliedmaße

Ist ein Bein wegen einer Fraktur, einer starken Gelenkerkrankung oder einer anderen Verletzung über längere Zeit kaum belastbar, übernimmt das gegenüberliegende Bein zu viel Gewicht. Daraus kann eine Belastungsrehe entstehen. Sie wird leicht übersehen, weil die ursprüngliche Verletzung zunächst im Vordergrund steht.

Möglicher Auslöser Typischer Hinweis Was langfristig wichtig ist
Zu viel Kraftfutter oder frisches Gras Plötzliche Futterumstellung oder Futteraufnahme im Übermaß Rationen langsam umstellen und Kohlenhydratmenge kontrollieren
EMS oder Übergewicht Fettpolster, fehlende Gewichtsabnahme, wiederkehrende Schübe Gewicht reduzieren und Stoffwechsel abklären
PPID Langes Fell, Muskelabbau, vermehrtes Schwitzen oder häufige Infekte Tierärztliche Diagnostik und passende Behandlung
Schwere Entzündung Fieber, Durchfall, Kolik oder Probleme nach der Geburt Die Grunderkrankung schnell behandeln
Überlastung eines Beins Gleichzeitige schwere Lahmheit an der anderen Gliedmaße Belastung verteilen und die ursprüngliche Verletzung versorgen

Diese Symptome sollten Sie ernst nehmen

Typisch ist ein Pferd, das sich kaum bewegen möchte, kurze steife Schritte macht oder beim Wenden besonders stark lahmt. Bei einer Beteiligung der Vorderhufe stellt es die Vorderbeine oft nach vorn und verlagert das Gewicht nach hinten. Diese Haltung wird umgangssprachlich als Sägebockstellung beschrieben.

  • deutlich stärkere Wärme an einem oder mehreren Hufen,
  • ein kräftiger, pochender Digitalpuls am Fesselbereich,
  • wechselndes Entlasten der Vorderbeine,
  • vorsichtiges Laufen „wie auf Eiern“,
  • Widerstand beim Wenden oder beim Aufheben eines Hufs,
  • verminderte Futteraufnahme und deutlich reduzierter Allgemeinzustand.

Ein warmer Huf allein beweist jedoch keine Hufrehe. Ebenso kann ein unauffälliger Huf in kalter Umgebung die Erkrankung nicht sicher ausschließen. Ich verlasse mich deshalb nie auf ein einzelnes Symptom, sondern bewerte Gangbild, Haltung, Digitalpuls, Vorgeschichte und alle betroffenen Gliedmaßen zusammen.

Was bis zum Tierarzt sinnvoll ist

  1. Tierarzt anrufen und genau schildern, wann die Beschwerden begonnen haben.
  2. Das Pferd in eine Box oder einen kleinen, sicheren Bereich mit tiefer, weicher Einstreu bringen.
  3. Das Pferd nicht spazieren führen und keine Wendungen erzwingen.
  4. Kraftfutter, Leckerli und Weidegang sofort entfernen. Wasser muss erreichbar bleiben.
  5. Die Hufe nach tierärztlicher Rücksprache kühlen, sofern das Pferd sicher steht und die Maßnahme ohne zusätzlichen Stress möglich ist.
  6. Futteraufnahme, Temperatur, Puls und auffällige Veränderungen für den Tierarzt notieren.

Was ich ausdrücklich vermeiden würde, sind eigenmächtige Schmerzmittel, aggressive Hufkorrekturen oder das Abnehmen eines Beschlags ohne fachliche Anleitung. Jede zusätzliche Bewegung und jede unüberlegte Veränderung am Huf kann die geschädigten Strukturen weiter belasten.

Wie die Diagnose gestellt und behandelt wird

Der Tierarzt beurteilt zunächst die Vorgeschichte, das Gangbild, die Hufwärme, den Digitalpuls und die Reaktion auf die Hufuntersuchung. Röntgenaufnahmen zeigen, ob das Hufbein bereits rotiert oder abgesunken ist und wie viel Sohlenstärke unter der Hufbeinspitze vorhanden ist.

In frühen Fällen können Röntgenbilder noch wenig auffällig sein. Trotzdem sind sie später entscheidend, um die Hufbearbeitung zu planen und den Verlauf zu kontrollieren. Bei Verdacht auf EMS, Insulin-Dysregulation oder PPID kommen zusätzlich Blutuntersuchungen und eine Stoffwechselabklärung infrage.

Die Behandlung verfolgt mehrere Ziele

  • Schmerz und Entzündung kontrollieren, meist mit tierärztlich verordneten Medikamenten,
  • die auslösende Erkrankung behandeln,
  • weitere Schäden am Huftrageapparat verhindern,
  • den Huf durch weiche Polster, Hufschuhe oder einen angepassten Beschlag entlasten,
  • die Durchblutung und die mechanische Stabilität möglichst erhalten.

In der akuten Phase kann intensive Kältetherapie eingesetzt werden. Die Art und Dauer hängt vom Fall, der Umgebung und der tierärztlichen Einschätzung ab. Bei der Hufbearbeitung gibt es keine universelle Lösung. Manche Pferde profitieren von einer Unterstützung von Strahl und Sohle, andere benötigen eine vorsichtige Änderung des Abrollpunkts oder eine spezielle orthopädische Versorgung.

Ein wichtiger Grundsatz lautet für mich: Hufbearbeitung sollte sich an Röntgenbildern und der Schmerzreaktion orientieren, nicht an einer pauschalen Methode. Weder „immer barhuf“ noch „immer Spezialbeschlag“ wird jedem Pferd gerecht.

Fütterung, Bewegung und Rückfallprophylaxe

Nach einem Reheschub beginnt die eigentliche Langstrecke. Das Pferd braucht ein Management, das den Stoffwechsel stabil hält und gleichzeitig eine gesunde Hufentwicklung ermöglicht. Dazu gehören regelmäßige Kontrollen durch Tierarzt und Hufbearbeiter, besonders wenn Röntgenbilder eine Rotation oder Absenkung gezeigt haben.

Fütterung anpassen

Bei stoffwechselgefährdeten Pferden sollte die Ration möglichst genau zum Bedarf passen. Heu, Kraftfutter und Weidezugang müssen als Gesamtsystem betrachtet werden. Ein Heunetz kann die Fressdauer verlängern, ersetzt aber keine Rationsberechnung und macht ein energiereiches Heu nicht automatisch geeignet.

Übergewicht sollte langsam und kontrolliert reduziert werden. Eine radikale Futterkürzung ohne tierärztliche Begleitung kann ebenfalls Probleme verursachen. Entscheidend sind regelmäßige Gewichtskontrollen, eine passende Heumenge und ein klarer Plan für Weidezeiten.

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Bewegung vorsichtig steigern

In der akuten Phase gilt Bewegungsruhe. Erst wenn das Pferd weitgehend schmerzfrei ist und der Tierarzt keine instabile Situation mehr sieht, wird die Bewegung schrittweise erweitert. Ein zu früher Weidegang oder freies Toben kann die Heilung zurückwerfen.

Bei chronischer Hufrehe ist regelmäßige, kontrollierte Bewegung oft hilfreich, aber nicht bei aktiver Lahmheit. Ich würde nie nach Kalender entscheiden, sondern nach Gangbild, Schmerzfreiheit und Kontrollbefund.

Wovon die Prognose wirklich abhängt

Die Aussichten reichen von vollständiger Rückkehr in den Freizeitsport bis zu dauerhaften Schmerzen und einer sehr schlechten Lebensqualität. Ausschlaggebend sind unter anderem die Ursache, die Dauer bis zum Behandlungsbeginn, das Ausmaß der Hufbeinveränderung und die Reaktion auf Schmerztherapie und Hufunterstützung.

Ein Pferd mit leichter, früh erkannter Hufrehe kann sich gut stabilisieren. Bei deutlicher Rotation, Absenkung, wiederkehrenden Schüben oder einer dünnen Sohle ist die Prognose vorsichtiger. Auch nach einer scheinbaren Besserung bleibt das Risiko eines Rückfalls bestehen, wenn der Auslöser nicht gefunden und das Management nicht angepasst wird.

Deshalb sollte ein Rehepferd nicht nur dann untersucht werden, wenn es wieder lahmt. Regelmäßige Hufkontrollen, ein stabiles Körpergewicht und die Abklärung von Stoffwechselproblemen machen langfristig den größten Unterschied.

Der wichtigste Schritt ist ein früher, klarer Notfallplan

Bei Verdacht auf Hufrehe zählt nicht die perfekte Ferndiagnose, sondern schnelles und ruhiges Handeln. Tierarzt rufen, Bewegung stoppen, weich aufstallen, Futterfehler beenden und die Hufe nur fachgerecht kühlen oder unterstützen. Je früher Ursache, Schmerz und Hufmechanik gemeinsam behandelt werden, desto besser bleibt die Chance, dass das Pferd wieder komfortabel und belastbar leben kann.

Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Das Material wurde mit Unterstützung moderner Analyse- und Sprachwerkzeuge (KI) erstellt. Konsultieren Sie vor einer Entscheidung einen Experten.

Häufig gestellte Fragen

Typisch sind kurze, steife Schritte, starke Lahmheit, Widerstand beim Wenden, warme Hufe und ein kräftiger Digitalpuls. Viele Pferde entlasten abwechselnd die Vorderbeine oder nehmen die Sägebockstellung ein. Ein einzelnes Symptom reicht jedoch nicht aus, deshalb sollten Gangbild, Haltung, Digitalpuls und Vorgeschichte gemeinsam beurteilt werden.

Rufen Sie sofort den Tierarzt und stellen Sie das Pferd ruhig auf tiefer, weicher Einstreu. Vermeiden Sie jede unnötige Bewegung und entfernen Sie Kraftfutter, Leckerli und Weidezugang, während Wasser erreichbar bleibt. Die Hufe sollten nur nach tierärztlicher Rücksprache gekühlt werden; eigenmächtige Schmerzmittel oder Hufkorrekturen sind zu vermeiden.

Weitere Auslöser sind große Mengen leicht verdaulicher Kohlenhydrate, Übergewicht, EMS, Insulin Dysregulation und PPID. Auch schwere Entzündungen wie Kolik, Durchfall oder Gebärmutterentzündung können eine Hufrehe auslösen. Zusätzlich kommt eine Belastungsrehe infrage, wenn ein Pferd wegen einer Verletzung ein anderes Bein über längere Zeit überlastet.

Röntgenaufnahmen zeigen, ob das Hufbein rotiert oder abgesunken ist und wie viel Sohlenstärke unter der Hufbeinspitze vorhanden ist. Für die Prognose zählen außerdem die Ursache, der Zeitpunkt des Behandlungsbeginns sowie die Reaktion auf Schmerztherapie und Hufunterstützung. Bei Verdacht auf EMS, Insulin Dysregulation oder PPID können Blutuntersuchungen und eine Stoffwechselabklärung erforderlich sein.

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Nancy Weidner

Nancy Weidner

Mein Name ist Nancy Weidner und ich habe in den letzten 3 Jahren intensiv im Bereich Pferdesport, Haltung und Zucht gearbeitet. Meine Leidenschaft für Pferde begann schon in meiner Kindheit, als ich regelmäßig auf einem Reiterhof verbrachte. Diese Faszination hat mich dazu motiviert, mein Wissen über die artgerechte Haltung und Zucht von Pferden zu vertiefen und meine Erkenntnisse mit anderen zu teilen. Ich schreibe über verschiedene Aspekte des Pferdesports, von der optimalen Pflege bis hin zu den neuesten Trends in der Zucht. Dabei lege ich großen Wert darauf, Informationen klar und verständlich aufzubereiten und stets aktuelle Quellen zu nutzen. Mein Ziel ist es, komplexe Themen zu vereinfachen und Lesern zu helfen, ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse und das Wohlbefinden von Pferden zu entwickeln.

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